Vom Fernseh-Highlight zum Online-Event? Social Media greift TV an

Facebook, Youtube, Twitter und Co auf dem Weg in ein neues Business.

Vom Fernseh-Highlight zum Online-Event? Social Media greift TV an

Facebook, Youtube, Twitter und Co auf dem Weg in ein neues Business.

Erst wenige Monate ist es her, da sorgte Real Madrid mit einer neuen Strategie der Verbreitung seiner Bewegtbildinhalte für Aufsehen: Real kündigte an, einige Videos auf Facebook Live auszustrahlen. Zu sehen waren seit Beginn der Saison hauptsächlich OTT-Inhalte, die den Zuschauern zusätzliche Einblicke in das Geschehen hinter den Kulissen gewährten. Nun liegen die ersten Zahlen vor: Mit den insgesamt 128 Einspielern erreichte der Club mehr als 100 Millionen Views. Doch handelt es sich hier um einen Einzelfall? Wer sich in den Weiten von Facebook, Twitter, Amazon und Yahoo umschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Meldungen über Social Media Plattformen, die am Verbreiten von Bewegtbildinhalten teilhaben oder teilhaben möchten, steigt kontinuierlich. Doch wie weit sind die Online Player in dieser Hinsicht wirklich? Ersetzt in Zukunft die Leinwandprojektion des Online-Bildschirms den Fernsehabend?

 

Welche Möglichkeiten nutzen die Social Media Plattformen?

Grundsätzlich lassen sich zwei Vorgehensweisen unterscheiden. Facebook, YouTube und Co setzen einerseits auf zusätzliches Videomaterial, das die Angebote der TV-Kanäle ergänzt und beispielsweise bei Sportevents Hintergrundinformationen oder weitere Details zu den Wettkämpfen und Matches liefert. Dieses Filmmaterial wird – wie bei Amazon im Fall der Zusatzangebote zur Bundesliga – selbst produziert.

Eine zweite Möglichkeit, am Wettbewerb um die Ausstrahlung begehrter Videos mitzumischen, ist der Erwerb von TV-Rechten. Hier geht es um die tatsächliche Konkurrenz zu den etablierten TV-Kanälen. Wer das sehnlichst erwartete Spiel live überträgt, kann schließlich mit hohen Zuschauerzahlen rechnen – und nach denen streben sowohl die Social Media Plattformen und Onlineanbieter als auch die TV-Sender.

 

Welche Unternehmen beteiligen sich in welcher Weise am Geschäft?

Der Blick auf die Schlagzeilen des Jahres verdeutlicht: Fast alle etablierten Plattformen möchten etwas vom Kuchen der Liveübertragungen abhaben.

Die Videoplattform YouTube erwarb etwa bereits im Oktober 2015 die Medienrechte zur Ausstrahlung der Copa del Rey, die spanische Variante des DFB-Pokals. Das Unternehmen konnte damit als einziges das HD-Live-Streaming in mehreren europäischen Ländern sowie in Asien und Lateinamerika anbieten. Auch die Bundesliga ist mittlerweile auf YouTube aktiv und bietet unter anderem das Freitagsspiel in voller Länge an. Gespräche mit Produktionsfirmen aus Hollywood zum Erwerb neuer Lizenzrechte sollen angeblich bereits laufen.

Von sich reden macht auch Yahoo. Seit dem 4. April können Fans 180 Partien der Major League Baseball in den USA live und kostenlos anschauen. Hinzu kommt das begehrte Zusatzmaterial in Form von Reportagen und Kommentaren.

Nicht zu vergessen wäre da auch der Gigant Amazon. Zunächst einmal im Zusammenhang mit der Diskussion um die TV-Rechte für die Bundesliga. Demnächst sollen hier verschiedene Angebote wie „Legenden der Liga“ verfügbar sein. Mit dem Auslaufen des Fernsehvertrags mit Sky zum Ende der Saison 2016/2017 ergeben sich rund um die Bundesligaspiele lukrative Möglichkeiten – für die Deutsche Fußball Liga ebenso wie für die Onlineanbieter und die TV-Sender.

Und aufhorchen lässt auch eine aktuelle Meldung des Tech-Giganten Intel, der das Unternehmen Voke VR übernimmt, das sich auf die Erstellung von Virtual Reality Content für Sport Events spezialisiert hat.

 

 

Twitter macht es vor: Ein teurer Spaß mit potentiell hohem Gewinnfaktor

Welche Bedeutung die bekannten Social Media Plattformen inzwischen der Übertragung von Sportereignissen zumessen, lässt sich am Deal von Twitter erkennen. Die Donnerstagsspiele der American-Fotball-Liga NFL werden seit der Saison 2016 von Twitter live ausgestrahlt. Für den Erwerb der Medienrechte gab es im Vorfeld zahlreiche Interessenten. Amazon und Verizon sind nur zwei Mitbewerber, die ihr Angebot schließlich zurückzogen. Der Grund dafür dürfte am stolzen Preis gelegen haben. Experten schätzen die Gesamtinvestition für die Übertragung der zehn Spiele auf etwa zehn Millionen US-Dollar.

 

Wie passt Facebook Live in das Konzept?

Die Neuorganisation der App und Webseite von Facebook lenkt in diesem Zusammenhang seit April diesen Jahres die Aufmerksamkeit auf sich. Live-Videos sollen noch stärker in den Vordergrund gerückt werden und für die Nutzer neue Möglichkeiten eröffnen. Neben den bekannten Live-Videos der eigenen Freunde sollen auf der ausschließlich für diesen Zweck eingerichteten Seite nun auch Events live angeschaut werden können. Direkt am Videostream können die Zuschauer zudem Kommentare posten und ihre Freunde aktiv für einen Stream einladen. Das neue Angebot von Facebook stieß in der Folgezeit auf das verstärkte Interesse verschiedener Veranstalter. ESPN und US Fox Sports in den USA nutzen die Live-Funktion ebenso wie deutsche Anbieter. Sport 1 bot zum Beispiel rund um die Europa-League verschiedene Live-Streams an, die von 1,8 Millionen Zuschauern angesehen wurden.

 

Frischer Wind für bekannte Sportarten durch Social Media Ausstrahlungen?

 An den Zielen der Social Media Unternehmen im neuen Geschäftsfeld besteht kein Zweifel: Sie hoffen, mehr Nutzer für ihre Dienste gewinnen und längere Zeit an sich binden zu können. Doch warum interessieren sich auch die Veranstalter der Sportevents für die Kooperation mit den Plattformen? Ein Grund dürfte in der allgemeinen Zunahme des Interesses an Onlineinhalten liegen. Mit der Ausstrahlung im Web wollen die Veranstalter höhere Zuschauerzahlen erreichen und ihren Zuschauern zudem die Möglichkeit bieten, Videos noch schneller kommentieren und verbreiten zu können. Ein Wegbereiter in dieser Hinsicht stellt zweifellos Facebook mit seiner Live Anwendung dar. Bei einer Analyse des Nutzungsverhaltens seiner User stellte das Unternehmen fest, dass Live-Video wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als Fotos oder vorproduzierte Videos.

Darüber hinaus könnten mit der Investition in die Social Media Ausstrahlung auch sinkende Zuschauerzahlen abgewendet werden. Das diesbezügliche Problem der Formel 1 ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Die Zukunft der Rennsportübertragung sehen Experten daher in der Ausstrahlung auf allen mobilen Endgeräten, wobei weitere interaktive Elemente das Interesse zusätzlich befördern könnten. Als möglicher Kooperationspartner wird in diesem Zusammenhang Amazon gehandelt. Ernsthafte Verhandlungen sind angesichts der noch laufenden Verträge mit den TV-Kanälen bisher allerdings noch Zukunftsmusik.

 

Wie sieht die Zukunft der Bewegtbildinhalte aus?

Die verschiedenen bisherigen Deals zeigen: Social Media Plattformen werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wenn es um die Übertragung von Live-Events geht. Der großflächige Rechteerwerb an Sportereignissen erscheint aber in naher Zukunft noch nicht bevorzustehen. Die hohen Kosten und die laufenden Verträge für viele Wettbewerbe lassen hier noch nicht viel Spielraum. Anbieter wie Amazon oder Netflix setzen bisher eher auf eigene Produktionen.

Einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen bietet allerdings unter anderem Facebook. In Großbritannien kooperieren sowohl BBC als auch Sky mit der Plattform. Die Zusammenarbeit soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden – und lässt auf eine abwechslungsreiche Zukunft hoffen. Nach Meinung führender Experten werden Social Media Plattformen durchaus zum Wettbewerber für TV-Kanäle – vor allem dann, wenn diese nicht mit Innovationen aufwarten und ihr Angebot den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Die Zuschauer können von der medialen Vielfalt wohl in jeder Hinsicht profitieren.

Bildquelle: Shutterstock / Welf Aaron